Grafik-Zwerg mit brachialer Leistung

AMD Radeon R9 NANO im Kurztest

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AMD Radeon R9 NANO im Kurztest

In Zeiten, in denen PC-Systeme immer kompakter werden, wird der Zwang der Hersteller immer Größer, komplexere Einheiten zu bauen. Bei dem in der Radeon R9 Nano verwendeten HBM-Technologie, wandert die Speicher-Komplexität der Grafikkarte in, bzw. an den Grafikchip selbst. Wir berichteten hierzu bereits bei der Markteinführung der Radeon R9 Fury, welche sozusagen als "großer Bruder" der Nano gilt.
Die neue HBM-Technik erlaubt aufgrund der verschwundenen Speicherchips deutlich kürzere Platinen. Dadurch schrumpft die Länge der Grafikkarten, die diese Technik nutzen. Was machbar ist, zeigt AMD mit der Radeon R9 Nano. Die auf 15 cm gekürzte High-End-Grafikkarte verfügt über einen Grafikchip mit 4096 Shader-Prozessoren, welcher auf einen 4096 MB großen HBM-Speicher zugreifen kann, der wiederum an ein 4096 Bit Speicherinterface angebunden ist.
Die Zahlen sprechen für sich, oder?
Als maximale thermische Verlustleistung gibt AMD für die Radeon R9 Nano ca. 175 Watt an. Dementsprechend ist auch der Kühler designt. Dieser ist zwar zwei Slots hoch, trotzdem nur 15,2 cm lang und muss mit nur einem 85 mm Lüfter auskommen. Des Weiteren benötigt die R9 Nano nur einen PCI-Express-Stromanschluss, dieser muss jedoch 8-Pin sein. Leider legt Sapphire keinen Adapter von 6- auf 8-Pin-PCIe bei.

Lieferumfang der Sapphire R9 Nano

Bei einer Gesamtlänge von nur 15 Zentimetern muss die Verpackung nicht sonderlich ausladend ausfallen. Diesen Umstand nutzt Sapphire auch und verpackt die Radeon R9 Nano 4G HBM in einen handlichen Karton mit den Abmaßen von: 23 x 29 cm. Darin findet man eine in Schaumstoff sicher verpackte Grafikkarte, welche zusätzlich durch einen weiteren Schaumstoff-Block gesichert wird. Ein Schmankerl ist das der Karte beigelegte 1,8 m lange HDMI-Kabel. Eine Treiber-CD und eine Kurzanleitung runden die Ausstattung ab. Wie schon erwähnt, legt Sapphire leider keinen PCI-Express-8-Pin-Stromadapter bei.

Ersteindruck der Radeon R9 Nano

Bilder können den Eindruck wahrscheinlich gar nicht wiedergeben. Die Radeon R9 Grafikkarte ist verhältnismäßig leicht und wirklich kompakt. Einzig das Kühlkonzept erscheint wuchtig, obwohl es das nicht ist. Aber auf einer so kurzen Grafikkarte wirkt der Doppel-Slot-Kühler, als würde er hier nicht her gehören.
Das Design der Grafikkarte selbst ist sehr zurückhaltend, fast schon minimalistisch. Weder eine futuristisch anmutende Kühler-Verkleidung noch dicke herausragende Heatpipes kann das Auge entdecken. Alles ist eckig, kantig und weist klare Linien auf. An der vorderen Slotblende sind Lüftungschlitze vorhanden, die die warme Luft der Grafikkarte aus dem Gehäuse transportieren sollen. Dies ist vor allem in kleineren Mini-ITX-Gehäusen sehr von Nutzen.
Da der Lüfter der Radeon R9 Nano die angesaugte Luft nur gegen den Kühlkörper presst und die Kühler-Verkleidung beidseitig offen ist. Diese Kombination sorgt dafür, dass die warme Luft nicht nur über Lüftungsschlitze abtransportiert wird, sondern zum Teil auch in das Gehäuse gelangt. Das ist nicht Perfekt - aber immer noch besser als die gesamte warme Luft der GPU ins Gehäuse zu blasen.
Auch der Rest der Ausstattung ist nicht von schlechten Eltern. Der Chip verfügt über eine Hardwareeinheit für Digital Signal Processing (DSP), auch AMD TrueAudio genannt. Diese Technik sorgt für einen besseren Raumklang bei Stereo-Ausgabegeräten.
Des Weiteren beherrscht die GPU DirectX 12 mit Asynchron-Shader und Multi-Threaded-Befehlspuffer. AMD Freesync verhindert das Ruckeln und Bildschirm-Tearing, sodass es nicht mehr zu abgehackten Spielverläufen kommt. Mit der Frame Rate Target Control (FRTC) kann nicht nur Energie gespart, sondern auch Wärme- und Geräuschentwicklung reduziert werden. Der Unified Video Decoder der GPU kann H.264-Filmmaterial in 4K dekodieren. Auch wird AMD LiquidVR beworben, eine Virtual-Reality-Technologie, welche sich erst noch auf dem Markt etablieren muss.

Technische Daten der Fiji-GPUs

Radeon R9 Nano Radeon R9 Fury Radeon R9 Fury X
Shader-Einheiten: 4096 3584 4096
GPU-Takt (Boost): 1000 MHz 1000 MHz 1050 MHz
Speichergröße: 4 GB HBM 4 GB HBM 4 GB HBM
Speichertakt: 500 MHz 500 MHz 500 MHz
Speicherinterface: 4096 Bit 4096 Bit 4096 Bit
Speicherbandbreite: 512 GB/s 512 GB/s 512 GB/s
Verbrauch (TDP): 175 Watt

275 Watt

275 Watt

Stromversorgung : 1 x 8 Pin 1 x 6 Pin + 1 x 8 Pin 1 x 6 Pin + 1 x 8 Pin
SP-Leistung: 8.2 Teraflops 7.2 Teraflops 8.6 Teraflops

Wie viel Leistung gibt′s auf 15cm Grafikkarten?

Wir haben die AMD Radeon R9 Nano 4GB in fünf verschiedenen synthetischen Benchmarks getestet. Dazu gehören die gängigen Benchmarks von Futuremark (3D Mark 11, 3D Mark Vantage und 3D Mark Fire Strike) und die Benchmarks Unigine Valley 1.0 und Unigine Heaven 4.0. Bei den ersten drei haben wir den Benchmark in den Standardeinstellungen genutzt, die beiden Unigine-Benchmarks im Extreme-Modus bei FullHD-Auflösung.

Unser Testsystem

Futuremark entwickelt bereits seit Jahren 3D-Benchmarks, die aktuelle Grafikkarten bis aufs Letzte fordern. Der 3D Mark 11 setzt dabei besonders auf DirectX-11-Benchmarks, wobei dann auch Tesselation, Depth of Field, Volumetric Lighting und Direct Compute zum Einsatz kommen.

Die Vorgängerversion des 3D Mark 11 setzte als erster Benchmark auf DirectX-10-Effekte. Auch hier kommen aktuelle High-End-Systeme noch ins Schwitzen. Der in die Tage gekommene Benchmark ermöglicht zudem eine sehr gute Vergleichbarkeit zu älteren Systemen.

Der 3D Mark Fire Strike ist der aktuellste Benchmark aus dem Hause Futuremark und ist speziell für High-End-Systeme konzipiert. Sowohl Physik- als auch Grafiktests lasten GPU und CPU aus und erfassen so eine aussagekräftige Gesamtleistung des PCs.

Unigine Valley ist der neueste Sproß der Unigine-Benchmarkserie und verlangt aktuellen Systemen alles ab. Weite Landschaften, detaillierte Vegetationen und realistische Wetterbedingungen fordern die GPU aufs Äußerste.

Der Unigine Heaven Benchmark in der Version 4.0 testet unter anderem die Tesselation-Leistung von Grafikkarten. Physikalisch korrekte Berechnungen und dynamische Lichteffekte sorgen für einen aussagekräftigen Test.

Die Benchmark-Ergebnisse der AMD Radeon R9 Nano 4GB bescheinigen dem Kampfzwerg seine enorme Leistung. Trotz allem kommt sie nicht an die vor kurzem getestete Inno3D iChill GTX 980 Ti HerculeZ X3 Airboss Ultra herran.
Sicher: Sapphire hat mit der R9 Nano auch eine andere Käuferschicht im Auge - Gamer, die kleine und kompakte Spiele-PCs benötigen. Denen können wir jedoch sagen, dass die Radeon R9 Nano die schnellste, momentan erhältliche Grafikkarte für kompakte ITX-Systeme ist.

Die Radeon R9 Nano im Betrieb

Durch das kurze Design ging der Einbau der AMD Radeon R9 Nano schnell von der Hand. Auf ein Standard-ATX-Mainboard gesteckt wirkt die Nano als würde sie hier nicht hingehören. Nun noch den Stromanschluss mit dem Netzteil verbinden und es kann losgehen. Erster Start und Verwunderung - das erwartete laute Aufrauschen des Lüfter fehlt. Ein kurzer Blickkontakt zur Grafikkarte bestätigt aber, der Lüfter läuft. Er ist nur einer von der leisen Sorte. Wie zu erwarten war, ist die Grafikkarte im Betrieb bei geschlossenem Gehäuse nicht heraus zu hören. Ein Blick auf das kleine Programm GPU-Z zeigt uns, dass die Temperaturen mit ca. 35° C völlig in Ordnung gehen.

Als wir einen zweiten Monitor an die Grafikkarte anschließen sind wir positiv überrascht. Denn trotz komplett verschiedener Monitor-Modelle ändert die Grafikkarte kaum ihren Idle-Takt. Dieser pendelt unter Windows während wir arbeiten zwischen 300 und 400 MHz. Dieses Verhalten sollte sich positiv auf den Stromverbrauch im Multi-Monitor-Betrieb auswirken.
Nun wollen wir die AMD Radeon R9 Nano aber durch unseren Benchmark-Parkour schicken und uns ein paar Spiele ansehen. Doch Schock - als wir das erste Spiel starteten läuft es zwei bis drei Minuten lang, dann geht der Rechner einfach aus. Unser 8 Jahre altes Coba Nitrox Netzteil kommt mit den Lastspitzen des kleinen Kampf-Zwergs überhaupt nicht klar. Also musste ein moderneres Netzteil her.
Dies wurde schnell eingebaut und unsere Test-Phase konnte beginnen. In Spielen und Benchmarks steigt die GPU-Temperatur der AMD Radeon R9 Nano auf ca. 70° C. Auch der Lüfter ist nun wahrzunehmen, wenngleich er nicht als unangenehm laut bezeichnet werden kann. Unangenehm ist dagegen das immer wieder auftretende Spulenfiepen, das sich bei hohen Bildraten (ab ca. 200 fps) einstellt. Spulenfiepen sollte in dieser Preis-Klasse und bei dem angestrebten Verwendungszweck, nämlich einen spieletauglichen 4k-Wohnzimmer-PC, definitiv nicht vorkommen!

Fazit

SAPPHIRE Radeon R9 NANO 4GB (21249-00-40G) Super klein, pfeilschnell und fast leise.
Die AMD Radeon R9 Nano ist momentan die schnellste Grafikkarte für Mini-ITX-Systeme. Dabei kann das Kühlkonzept des nur 15 cm kurzen Grafik-Zwergs durchaus überzeugen. Nur das Spulenfiepen bei hohen Bildraten trübt den sonst hervorragenden Eindruck. Hinzu kommt der im direkten Vergleich zu ähnlich schnellen Grafikkarten relativ hohe Preis. Diese Karten sind dann zwar fast doppelt so lang, aber auch ca. 150 Euro billiger.
Mit der AMD Radeon R9 Nano zeigte sich uns eine wahrlich exklusive High-End-Grafikkarte. Denn für den preisbewussten Käufer, der seinen Mini-ITX PC spieletauglich machen will, ist sie sicherlich schnell genug - aber derzeit schlichtweg zu teuer.

VorteileNachteile
  • gelungenes Kühlkonzept
  • leiser Betrieb
  • Stromverbrauch
  • Kartenlänge von 15 cm
  • schneller HBM-Speicher
  • sehr hohe Leistung
  • Anschaffungspreis
  • Spulenfiepen
  • kein HDMI-2.0

Der HardwareSchotte meint:

Die Richtung, in die sich die neuen HBM-Grafikkarten entwickeln, ist definitiv die Richtige. Die Geschwindigkeit steigt und der Verbrauch sinkt. Nun wird es nur noch Zeit, dass diese Technik auch in kostengünstigeren Modellen Einzug hält. Denn dort werden viel mehr Grafikkarten als im High-End-Bereich abgesetzt.
Hier stehe ich und fordere: "HBM-Grafikkarten für Alle!"

Haltet Ihr das Konzept der Grafikkarte für sinnvoll?

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